Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Aus dem Archiv: Wassermassen, wie sie seit Jahrzehnten in Heiligenstadt niemand mehr gesehen hat

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: Hochwasser1981
„Donner grollte beinahe unaufhörlich. Blitze durchzuckten das nächtliche Dunkel. Lang anhaltender Gewitterregen brachte Niederschläge wie sie im Kreis Heiligenstadt seit Jahrzehnten nicht registriert wurden. Friedlich dahin schlängelnde Bächlein verwandelten sich urplötzlich in Flüsse. Am meisten Hochwasser führte die Leine, die rasch über die Ufer trat. Nebenstehende Fotos können nur einen kleinen Einblick in das ganze Ausmaß der Überschwemmungen vermitteln.

Kinder mögen sich vielleicht gefreut haben, über den nicht alltäglichen Anblick: den breiten reißenden Strom, als den sich die Leine darbot, den großen See im Heinrich-Heine-Park und den Schulhof der Erweiterten Oberschule ‚Wilhelm Pieck‘, der wie ein Freibad anmutete. Erwachsene denken natürlich anders darüber. Mancher wird die Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag nicht so schnell vergessen. Sicher nicht nur diejenigen nicht, die persönlich betroffen sind, die Unannehmlichkeiten entfesselnder Naturgewalten und deren Nachwirkungen in Kauf nehmen mußten. Die Kreiskatastrophenkommission hat rasch beraten und umsichtig gehandelt. So wurden wirkungsvolle Maßnahmen eingeleitet, die Bevölkerung vor Gefahren zu schützen und die Versorgung allseitig zu gewährleisten.

Ratsmitglieder, Bürgermeister, Abgeordnete der örtlichen Volksvertretungen, die Angehörigen der Zivilverteidigung, die Feuerwehren der Orte und Betriebe, freiwillige Helfer, Genossen der Kampfgruppen der Arbeiterklasse, Reparaturbrigaden und zahlreiche Bürger waren selbstlos im Einsatz, um Schäden an Produktionsstätten, Wohngebäuden und Straßen zu beheben und noch größere volkswirtschaftliche Verluste zu vermeiden.

Das Sekretariat der Kreisleitung der SED, der Rat des Kreises und das Kreissekretariat der Nationalen Front der DDR dankten in einem Aufruf allen Werktätigen und Bürgern für die bisher bewiesene Einsatzbereitschaft. Nun gilt es, mit vereinter Kraft beizutragen, die Schäden noch rascher zu überwinden, damit sich das Leben bald wieder normalisiert und die Produktion überall wieder auf Hochtouren laufen kann.“

Bild 1: Angehörige der Kampfgruppen der Arbeiterklasse im unermüdlichen Einsatz, hier im überschwemmten Gelände des neuen Reißverschlußwerkes im Leinehof des VEB Kombinat Solidor.

Bild 2: An dieser Stelle im Heiligenstädter Vogelschutzgehölz befand steh eine Fußgängerbrücke des Verbindungsweges zur Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (heute Bahnhofstraße). Die Brücke wurde trotz der Flut völlig zerstört.

Bild 3: Verlegt werden musste der Eingang zur Erweiterten Oberschule „Wilhelm Pieck“. Der Schulhof stand unter Wasser.

Quelle: „Das Volk“ vom 06.06.1981, Ludwig Weber


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