Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Die Heiligenstädter Laurentiuskapelle

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Heiligenstadt ·
Tags: LaurentiuskapelleSchloss
Die älteste Kapelle der Stadt ist die Laurentiuskapelle auf dem Berg. Sie ist heute Bestandteil des Schlosses und im Nordwestflügel des Erdgeschosses intergiert. Erste schriftliche Erwähnung fand sie im Jahre 1228 als Hauskapelle des erzbischöflichen Hofes und später die des Oberamtmannes und Statthalters. Der Laurentiuskult verbreitete sich in Deutschland nach dem Sieg Kaiser Ottos I. am 10. August 955 auf dem Lechfeld aus. Da sie als Hauskapelle der Mainzer Erzbischöfe diente, ist eine Datierung in das 11. Jahrhundert wahrscheinlich. Am 27. Juni 1244 bestätigt Erzbischof Siegfried III. dem Heiligenstädter Stift den Besitz des unteren Hofes gegenüber St. Laurentii und eines Weinberges außerhalb der Stadt.

Auf der Zeichnung des Pastors Fluk aus dem Jahre 1646 sehen wir eine sehr große Kapelle mit einem Turm und vier Fenstern.

heiligenstadt.net

Johann Wolf schreibt:

„Nebst vier Kirchen sind noch drei öffentliche Kapellen zu Heiligenstadt. Unter selbigen kommt die Laurentiuskapelle am frühsten vor, 1227 zum erstenmal. Und wieder 1359, weswegen sie für die älteste zu halten ist. Sie hat nahe bei der Stiftskirche gestanden da, wo jetzt die Statthalterei steht und hat ehedessen einen eigenen Priester oder Vikarius gehabt. Wie aber die Einkünfte der meisten Vikarieen. Durch allerlei Unfälle verloren gegangen sind und zuletzt aufgehört haben: So ist auch diese Vikarie längst eingegangen. Die vorige Kapelle ist 1736 abgebrochen, und statt deren eine neue in dem Gebäude der Statthalterei so angebracht worden, daß man von außenher hineingeht. Alle Sonn-und Feiertag wird um 11 Uhr Messe darin gelesen, damit Reisende die Gelegenheit haben, derselben beizuwohnen. Auf Laurentius-Tag trägt der Stiftspfarrer in einer Procession das Hochwürdige in die Kapelle, hält ein hohes Amt, und dann eine Predigt von dem Patrone.“

Laurentius von Rom (??? – 10. August 258) war ein Diakon unter Papst Sixtus II. und starb als Märtyrer. Da er sich weigerte, den Kirchenschatz dem römischen Kaiser zu übergeben und ihn an die Armen verteilte, wurde er auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert. Laurentius wird oft mit einem Rost als Attribut dargestellt und ist Stadtpatron von Duderstadt. Laurentius ist der Schutzpatron der Feuerwehrleute, der Bäcker, der Bierbrauer, der Wäscherinnen, Köche, Archivare und Bibliothekare. Er wird bei Hexenschuss, Ischias- und Hautleiden angerufen.

Die alte Kapelle wurde 1736 abgerissen. Die heutige Laurentiuskapelle ist im Neubau des Schlosses intergiert. Zusätzlich war sie von außen für die Bevölkerung begehbar. Der gut erhaltene Stuck der Apsis in der Kapelle entstanden um 1738, als ein Stuckateur Entwürfe Cuvilliés umsetzte.


Der Raum diente ab dem Jahre 1803 kurzzeitig der evangelischen Gemeinde als Kirche. In dieser Zeit zählte die Gemeinde 23 Mitglieder, die sich rasch vergrößerte. Nach der Übergabe der Martinskirche wurde die Kapelle als Dienstraum für das Hauptzollamt eingerichtet. In diesem Raum befand sich die „Oberzollamtswaage für Mehl“, später wurde er für schulische Zwecke genutzt. 1865 wurde der Raum geteilt und die eine Hälfte dem Bischöflichen Kommissariat als Brennholzlager abgetreten. Ab 1884 war hier die höhere Mädchenschule untergebracht. Der Seiteneingang zur Kapelle wurde später entfernt. Nach 1909 zogen die Kreiskommunalkasse, das Militärbüro und die Kreissparkasse ein und wieder aus. Ab 1914 tagten in der Kapelle die Kreistagsabgeordneten. In der DDR-Zeit nutzte man diesen Raum als Kantine. Mit der Sanierung des Schlosses 1995/96  wurde auch die Kapelle erneuert.
Der Raum besitzt eine sehr schöne Stuckdecke, die 1925, 1945 und 1995 saniert wurde. Als Stuckateur wird Franz Joseph Roth, der für den Mainzer Erzbischof arbeitete, genannt.

Heute finden hier Konzerte und Ausstellungen statt.

Am 6. Dezember 1998 weihten der Superintendent Martin Herche und sein katholischer Amtskollege Propst Heinz-Josef Durstewitz eine neue Holzplastik des Heiligen Laurentius in der Kapelle. Die Skulptur war während des Besuches des Bundespräsidenten im Oktober in der Altarnische aufgestellt worden. Die Figur wurde vom Hüpstedter Holzbildhauer Heinz Günther gefertigt.



Quelle: Johann Wolf: Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt – 1800, Karte des Pastors Fluk aus Uder – 1646, Walter Rassow: Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt – 1909, Foto Thomas Schuster – 2014 http://de.wikipedia.org/wiki/Laurentius_von_Rom Matthias Schmidt und Ute Wagner: Barocke Raumdekorationen im thüringischen Eichsfeld.


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