Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Das Schloss auf dem Rusteberg

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Rusteberg
Nach dem Abriss der Burg in den Jahren 1749/1750 wurden die Steine zur Erbauung des neuen Amtshauses verwendet. Das jetzige Schloss ist ein zweigeschossiger Barockbau vom Architekten Johann Christoph Heinemann. Er ist ebenfalls der Erbauer des Heiligenstädter Schlosses und des Bischofsteins.
Das Gebäude hatte 13 Fenster Frontlänge und besitzt ein schönes Portal. Die Kellerräume besitzen Kreuzgewölbe, man kann noch einzelne Steine mit Merkmalen ihrer früheren Bestimmung finden. Die Wirtschaftsgebäude mit den Scheunen und Stallanlagen wurden abgerissen. An der Mauer des Wirtschaftshofes war ein Steinrelief ähnlich dem der Michaeliskapelle angebracht. Vermutlich war der Stein, der den Heiligen Martin mit dem Mainzer Rad zeigte, an dem Torgebäude der ehemaligen Burg angebracht gewesen.

Nach 1815 wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer. Bis ca. 1810 war das Schloss im Besitz des Grafen Dorotheus Ludwig Christoph Graf von Keller, einem deutschen Politiker. 1815 erwarb es der Oberlandesgerichtspräsident Leopold von Kaisenberg, der das Schloss ausbaute und die schönen Anlagen errichtete. Er öffnete die Parkanlage für alle Besucher, weshalb er auch der „alte Mann vom Berge“ genannt wurde. Am 17. November 1835 verstarb er im Alter von 69 Jahren. Nächster Eigentümer war Herr Goltermann aus England, gebürtiger Hannoveraner, der es im Jahre 1848 an einem Herrn Gundlach aus Vacha verkaufte. Er lebte über seine Verhältnisse. Dieser wiederum verkaufte das Herrenhaus mit dem Schlossberg an den Major von Alvensleben. Die Gruft stammt von der Familie. Davon in den nächsten Tagen!

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Nach der Enteignung des Schlosses 1945 nutzte man bis 1950 das Haus als Feierabendheim. Am 1. November 1950 wurde unter Leitung von Dr. Wilm Frommhold ein Tuberkulose – Kurheim eröffnet. Nach dem Rückgang der Krankheit brachte man 1967 die Innere Abteilung des Robert-Koch-Krankenhauses hier unter. Das Krankenhaus besaß damals 52 Betten. Behandelt wurden Herz-, Kreislauf- sowie Zuckerkrankheiten. Seit 1975 arbeitete man mit der medizinischen Akademie Erfurt zusammen. Fortan wurden Herzinfarkt – Rehabilitationen durchgeführt. Ein Jahr später fand der Zusammenschluss mit dem Robert – Koch – Krankenhaus statt. 1985 wurde das Krankenhaus den Staatlichen Polykliniken Heiligenstadt unterstellt. Nach der Wende 1990 war die Kreisverwaltung in Heiligenstadt Eigentümer des Schlosses. Wegen finanziellen Schwierigkeiten und mangelnder Bettenbelegung wurde das Krankenhaus im August 1992 geschlossen. Aber schon ein halbes Jahr später wurde das Krankenhaus als Fachklinik für junge Menschen mit einem Drogen-, Alkohol-, Medikamentenproblem wiedereröffnet.

Vom Rusteberg ist die Sage von den Heiligenstädtern Stadtpatronen Aureus und Justinus überliefert. Ihre Grabplatte befindet sich in der Ägidienkirche.

„Zwei heilige Männer, Aureus und Justinus, waren zur Zeit des Attila in Mainz festgenommen worden. Es war ihnen aber mit Hilfe ihrer Wächter gelungen, aus dem Kerker zu entkommen. Ein Präfekt des Attila folgte den Flüchtlingen mit einer Anzahl Krieger, um sie schnellstens wieder zu fangen. Überall erkundigte er sich auf das genaueste nach ihnen und gelangte, stets dicht hinter ihnen, nach fünf Tagen zu einem vornehmen Herrn auf den Rusteberg. Dort erfuhr, dass die von ihm beschriebenen Flüchtlinge sich in dem nahe gelegenen Dorf Rustenfelde aufhielten.

Ohne zu rasten eilte er dorthin, nahm die Unglücklichen gefangen, ließ von dem Schmied des Dorfes zwei Paar Schuhe aus Eisen, welche ihnen mit Stacheln versehen waren, anfertigen und ihnen anziehen. Zu seinem großen Ärger wurden die beiden heiligen Männer dadurch nicht verletzt, was ihn veranlasste, zwei eiserne Helme glühend zu machen und den Flüchtlingen auf den Kopf zu setzen. Da die Helme jedoch, ohne zu schaden, kalt auf die Erde fielen, ließ der Präfekt, noch immer in der Meinung, sei vom Glauben abbringen zu können, die Gefangenen in einen Wald, in dem wilde Tiere hausten, führen und sie dort an Bäume schmieden. Einigen seiner Leute aber befahl er, die benachbarten Bäume zu ersteigen und auf die Gefesselten Acht zu geben. Wenn diese angesichts der wilden Tiere erklären sollten, ihren Glauben abschwören zu wollen, so sollten die Gefangenen augenblicklich losgekettet und zu ihm geführt werden. Würden sie aber in ihrem Eigensinn beharren, so sollten sie ihrem Schicksal überlassen werden.

Die lauschenden Wächter sahen jedoch mit Verwunderung, dass die wilden Tiere zwar herbeikamen, aber die Gefesselten nicht berührten. Vor ihnen leuchteten plötzlich zwei helle Kerzen auf, Engel stiegen vom Himmel herab und beteten mit den Heiligen. Als dies am anderen Morgen der Präfekt erfuhr, ließ er Aureus und Justinus, welche zuvor noch Gott baten, ihren Verfolgern zu verzeihen, enthaupten.

Die Wächter, die im Walde bei den Heiligen gewacht und alles mit angesehen hatten, waren tief beeindruckt und entschlossen, auch Christen zu werden. Auf dem Rückweg nach Mainz fanden sie einen alten Priester und ließen sich taufen. Sie wurden aber, da ihre Bekehrung dem Präfekten bekannt wurde, gleichfalls hingerichtet.“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – St. Benno Verlag Leipzig 1978, Bild: 2007


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