Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Heimatgeschichten: Mythos oder Wahrheit - Burg Sonnenstein

Heiligenstadt im Eichsfeld
Herausgegeben von in Eichsfeld ·
Tags: Sonnenstein
Viele alte Aufzeichnungen berichten von einer Burg auf dem Sonnenstein. Zweifelsohne ist die Lage für eine Burg prädestiniert, es wurden jedoch keine Funde einer solchen Anlage gemacht.

Wahrscheinlicher ist, dass hier Kulthandlungen ausgeführt wurden. Die nahegelegene Hasenburg „Asenberg“ war als Götterberg bekannt. Bis zur Übernahme der Franken nach der Schlacht an der Unstrut (531) waren die Thüringer Besitzer des „pagus Onfelt“ (Ohmfeldgau). Der Sonnenstein diente als Grenzberg zwischen dem Ohmfeldgau und dem Lisgau mit der Mark Duderstadt. Der Geröder Abt Eckhard verkaufte den Sonnenstein am 6. Mai 1369 für „50 Mark löthigen Silbers“ als Mannlehen an die Stadt Duderstadt. Bedingung war, dass nach dem Tode eines Abtes zwei Pfund an die Kirche „St. Michael“ gingen. Mannlehen bedeutet, dass die Stadt Duderstadt Heerfolge leisten musste und für den Schutz des Klosters zuständig war.

Thomas Schuster Heiligenstadt

Von einer Burg weiß nur die Sage zu berichten:

„Auf der Höhe des Sonnensteins stand in grauer Vorzeit eine stattliche Feste, welche die weite Umgegend beherrschte. In ihr hauste ein mächtiges Riesengeschlecht. In dem letzten dieses Stammes schien sich die urwüchsige Kraft und der frevelhafte Sinn des gewaltigen Geschlechts noch einmal gesammelt zu haben. Er war ein Vorzüglicher Schütze und handhabte seinen Bogen mit großer Meisterschaft. Schon wiederholt hatte er sich als Ziel seiner Schießkunst unten im Tal weidende Pferde und Rinder ausgesucht, so daß die umliegenden Bewohner seine Treffsicherheit verwünschten.

Einstmals – es war vor dem Tage der Sommersonnenwende – stand der Riese nach einem tollen Gelage mit seinen Kumpanen auf der Zinne des hochragenden Turmes seiner Feste. Den Bogen hatte er in der Hand. Da fiel sein Auge auf den in einer Senke des Ohmgebirges befindlichen heiligen Hain, in dem die dem Kulte Wodans geweihten Rosse weideten.

Eben betrat der graugelockte Oberpriester die heilige Stätte, um das Füllen zu bezeichnen, das am andern Morgen bei der Feier der Sommersonnenwende dem Auge Wodans, der Sonne, geopfert werden sollte. Der Oberpriester hing dem weißen Füllen einen Mistelkranz um den Hals. Im selben Augenblick erhob der Riese seinen Bogen: er wollte das Opferfüllen erschießen. Seine Kumpane wollten ihn zurückhalten, aber da schnellte auch schon der mächtige Pfeil durch die Luft, und das ausgesuchte Opfertier wälzte sich am Boden. Entsetzt schaute der Priester empor und erblickte oben auf der Feste den Übeltäter.

Mit von Groll erregter, weithin schallender Stimme verfluchte er den verwegenen Schützen und seine Burg. Schon in der folgenden Nacht sollte der Fluch in Erfüllung gehen. Um Mitternacht erhob sich ein donnerähnliches Krachen und Poltern, und als der Tag graute, lag die Riesenfeste zertrümmert am Fuße des Sonnensteins. Der Riese aber hing tot an einem Felsenvorsprung. Die vermessene Tat an dem geheiligten Tier Wodans war gerächt.“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – St. Benno Verlag Leipzig 1978, Carl Duval: „Das Eichsfeld“ 1845, Wolfgang Trappe: „Erzähltes Alt-Eichsfeld“


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